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Gründung des Kulturbundes

Bereits während des zweiten Weltkrieges fanden sich im Exil, in England, Schweden, Mexiko, USA und UDSSR deutsche Demokraten unterschiedlichster geistiger Richtungen zusammen, die das Ziel hatten, den Faschismus in einem demokratischen Deutschland in einer erneuerten Kultur zu überwinden.
Im Juni 1945 kommt es zu einem Treffen von Intellektuellen, bei dem die Weichen zur Kulturbundgründung gestellt werden. Der sowjetische Militärkommandant erteilt eine Lizenz zur Gründung eines "Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands".
Nachdem bereits im Juli 1945 im großen Sendesaal des Berliner Rundfunks der "Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands" gegründet wurde, fanden in den folgenden Monaten in vielen Orten der verschiedenen Besatzungszonen Gründungen von Ortsgruppen des Kulturbundes statt. So auch in Gera, wo am 12. Novemder 1945 im Restaurant "Tonhalle" die Gründung der "Wirkungsgruppe Gera des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands" stattfand.
Nach den Vorstellungen seines ersten Präsidenten Johannes R. Becher sollte der Kulturbund eine unabhängige und überparteiliche Bewegung sein, die sich um die Förderung von Wissenschaft, Kunst und Literatur sowie des gesamten geistig-kulturellen Lebens bemüht. Die Heranführung der wissenschaftlichen, künstlerischen und technischen Intelligenz an gesellschaftliche Probleme und deren Mitwirkung an öffentlichen Angelegenheiten war eine der Aufgaben, die sich der Kulturbund damals stellte. Im Laufe der Zeit passte er sich den gesellschaftlichen Veränderungen an.
Jahre 1952 wurden nach Auflösung der Länder in der DDR 14 Bezirke und im Kulturbund Bezirksleitungen und Bezirkssekretariate gebildet, denen die Kreisekretariate und Ortsgruppen nachgeordnet waren. Man begann verstärkt, in verschiedenden Städten "Klubs der Intelligenz" zu gründen. In Gera befand sich ein solcher in der ehemaligen Villa der Familie Remy (Rudolf-Ferber-Straße), er wurde später in "Bertolt-Brecht-Klub" umbenannt. Im Zusammenhang mit innerstädtischen Baumaßnahmen wurde die Villa Remy abgerissen. Der Kulturbund wurde in die Gagarinstraße 14 etabliert wo er bis 1994 seinen Sitz hatte. Seit 1994 befindet er sich in der Greizer-Straße 39, in den Räumen des "Ferberschen Hauses".
1958 änderte der Kulturbund seinen Namen in "Deutscher Kulturbund" um. Im Jahre 1972 erfolgte eine erneute Änderung in "Kulturbund der DDR". Viele Fachgruppen und Interessengemeinschaften wurden gegründet. Zahlreiche dieser Gruppen existieren noch heute.
Mit Vorträgen, Austellungen, Exkursionen, Tauschabenden, Konzerten und Matineen trat der Kulturbund in Erscheinung. Man beschäftigte sich mit den Themen Ornithologie, Aquarien und Terrarienkunde, Kakteen und Sukkulenten, Philatelie, Fotografie und Film, Esperanto, Volkskunde und Kulturgeschichte, Ur-und Frühgeschiche, Heimatgeschichte sowie Ortschronik, Numismatik, Zinnfiguren, Mineralogie, Denkmalpflege, Heimatkundliches Wandern, Bücherfreunde, Malerei und Grafik, Gesellschaftstanz und Volksmusik. Nicht zu vergessen die zahlreichen Veröffentlichungen mit wissenschaftlichen Abhandlungen.
In den 50ern begann man für verschiedene Fachbereiche zentrale Kommissionen oder Gesellschaften ins Leben zu rufen. Zunächst waren das der "Verband bildender Künstler" und der "Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler". 1955 wurde die "Pirckheimer Gesellschaft zu Pflege des schönen Buches" gebildet. Einer "Zentralen Kommission Fotografie" folgte der "Zentrale Kreis der Esperanto Freunde". 1969 entstand der "Philatelistenverband der DDR". Im Jahre 1977 erfolgte die Gründung der "Gesellschaft für Denkmalpflege". 1979 kam es zur Gründung der "Gesellschaft für Heimatgeschichte", der 1980 die "Gesellschaft für Natur und Umwelt" folgte. Schließlich wurden der "Esperantoverband" und die "Gesellschaft für Fotografie" gegründet.
Infolge der Durchsetzung des kulturpolitischen Kurses der SED auf die Gesellschaft musste sich auch der Kulturbund innerhalb dieses Rahmens bewegen. Vieles, was zu DDR-Zeiten im Kulturbund von den Mitgliedern geleistet wurde, war nicht schlecht und muss geachtet werden. Für viele war der Kulturbund auch eine Insel, auf die man sich zurückziehen konnte, um sich einem Hobby zu widmen und kulturelle Ideen auszutauschen.
Die Ereignisse der politischen Wende gingen auch am "Kulturbund der DDR" nicht spurlos vorbei. Ein außerordentlicher Bundeskongress im März 1990 entschied darüber, den Kulturbund nicht aufzulösen, sonder unter dem Namen "Kulturbund e.V." fortzusetzen. Auch in den laufenden Diskussionen hatte man sich ganz bewusst für die Beibehaltung des Namens "Kulturbund" entschieden. Viele ehemalige Mitglieder und auch einzelne Fachgruppen haben in den Jahren 1990 bis 1992 den Kulturbund verlassen.
Am 4. Dezember 1991 fand die Gründungsversammlung des Kulturbundes Gera e.V. mit eigener Satzung statt, am 7. Mai 1992 erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister beim Kreisgricht Gera-Stadt. Mit zahlreichen Veränderungen konnte der Kulturbund bis zum heutigen Tag seine Arbeit erfolgreich weiterführen, was vor allem vielen engagierten Mitgliedern und Freunden sowie einer guten Organisation und hervorragender Vorstandsarbeit zu verdanken ist. Der Kulturbund Gera bekommt keine Fördermittel der Stadt, der Vorstand arbeitet in rein ehrenamtlicher Tätigkeit.
Der Kulturbund ist nach wie vor mit weit über 100 Veranstaltungen ein wichtiger kultureller Faktor für die Stadt. Regelmäßig finden themenbezogenen Vorträge der Fachgruppen, Vereine oder Gastreferenten zu Politik, Wirtschaft, Umwelt, Natur, Kultur und Geschichte statt, hierzu zählen auch Prominentenabende oder Reiseberichte.
Vorhaben des Landes oder der Stadt Gera werden vom Kulturbund kulturell unterstützt. Nicht nur Kulturbundmitglieder, sondern auch viele Geraer und Auswärtige nutzen zunehmend das vielfältige kulturelle Angebot mit Vorträgen und Veranstaltungen. Folgende Vereine und Fachgruppen sind momentan in den Kultubund integriert: Heimatkundliches Wandern, Kultur und Verschönerungsverein, Freunde der kleinen Galerie, Literatur und Bücherfreunde, Denkmalpflege, Familien- und Ahnenforschung, Natur und Umwelt, Heimatgeschichte, Numismatik.

( Eckhard Müller, 17.03.2006 )

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