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Ein smarter fränkischer Baron gab sich in Gera die Ehre

Gera ist Wallfahrtsort geworden. Der Wahlkampf macht’s möglich. Politiker hohen und höchsten Ranges aller Coleur wechseln die Klinke von Hand zu Hand und werben um die Wählergunst. Und jetzt gab sich auch ein fränkischer Baron die Ehre: der smarte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Der Adlige erhielt bei ominösen bundesweiten Befragungen gleich dreimal die Spitzenposition als angeblich sexiest, als angeblich bestangezogener und als angeblich beliebtester deutscher Politiker.
Nun ja, in Gera interessierte man sich allerdings mehr für seine politischen Positionen. Eingeladen hatten den CSU-Mann der Kreisverband der CDU und die Ostthüringer Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer. Zum Veranstaltungsort wählte man das Druckhaus Gera. Nicht zufällig, denn die Einlader sehen in dem 1993 gegründeten Unternehmen eine Art Vorzeigebetrieb. Geschäftsführer Uwe Kaiser konnte neben dem blaublütigen Minister den Ministerpräsidenten Dieter Althaus und seine Stellvertreterin Birgit Diezel sowie weitere regionale Politprominenz begrüßen.
Vor den Zuhörern referierte der Freiherr in glänzend beherrschter freier Rede zu einem breitgefächerten Themenspektrum, natürlich kreisend in erster Linie um die derzeitige Wirtschafts- und Sozialpolitik der Bundesregierung. Guttenberg entbot den Teilnehmern, vor allem einheimische Unternehmer, vor Beginn des Forums ein in hiesigen Gefilden unübliches "Grüß Gott!". Lächelnd kokettierte er damit, dass er pünktlich eingetroffen sei, was man von Politikern sonst wohl nicht unbedingt sagen könne.
Er wolle mit seinem Auftritt diejenigen unterstützen, die um ihre Wiederwahl kämpfen. Ihm gehe es im Wahlkampf nicht so sehr darum, sich mit dem politischen Gegner zu befassen, sondern lieber damit, was erreicht wurde und es noch zu erreichen gilt. Dazu sollten wir Politiker täglich vor Ort sein, das heißt vor allem in den mittelständischen Unternehmen, dem Rückgrat der Wirtschaft. Diese würden im Management häufiger besseres leisten als mancher "Großer". Für jedes Unternehmen brauchen wir eine langfristige Strategie der innovativen Entwicklung, so wie es das Druckhaus Gera vormache, das seit Bestehen über 20 Millionen Euro in neue Technik investierte.
Kritisch setzte sich der Minister mit den Verursachern der Finanzkrise auseinander, die auch durch eine Kreditklemme dem Mittelstand schaden. Die Große Koalition hätte zur grundhaften Änderung des Finanzsystems, national wie international, mehr tun müssen. Positiv werte er, dass das auf zwei Jahre berechnete Konjunkturprogramm der Bundesregierung auch auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen ziele. Bei der Haushaltssanierung (also Schuldenabbau) hält der Jungprofi zugleich Steuerentlastungen für erforderlich, ohne zu sagen, wie das funktionieren soll. Zum Thema Rettung von Opel schwieg sich Guttenberg aus.
Dieter Althaus und Birgit Diezel nutzten, wie nicht anders zu erwarten war, die Gelegenheit, um ein Loblied auf die Arbeit der Landesregierung zu singen. Auf mehreren Gebieten glaubt man Spitzenpositionen erreicht zu haben: auf dem Felde der Solartechnik, im Bildungssystem, in der Familienpolitik, bei den Leistungen des Handwerks und der Landwirtschaft und weiteren Gebieten. Der Landeshaushalt schreibe schwarze Zahlen. Die Arbeitslosenquote würde sinken. Für 194 Firmen gewähre man finanzielle Bürgschaften. Naja, im Wahlkampf ist man eben oft mit Erfolgsmeldungen großzügig.

( Harald Baumann, 27.08.2009 )

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