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Die Glocken von Sankt Johannis

Wenn die Glocken läuten, dann werden die Christen nicht nur zum Gebet gerufen, sondern Taufen, Trauerfeiern, Hochzeiten, christliche Feste und Veranstaltungen werden durch das Geläut der Glocken angekündigt. Nun sind aber die drei Glocken der größten Kirche unserer Stadt, der St.-Johannis-Kirche, verstummt. Was ist geschehen?
Das hat einen ganz einfachen Grund: Die Glocken leiden an Altersschwäche.

Ist so etwas überhaupt möglich?
Durchaus. Es sind ja nicht mehr die ursprünglichen Bronzeglocken, die hier 1885 angebracht wurden. Sie wurden wie so viele im ersten Weltkrieg ausgebaut, eingeschmolzen und 1922 durch Stahlgussglocken ersetzt. Aber diese haben eben eine begrenzte Lebensdauer, nämlich rund 70 bis 90 Jahre. Um Schäden am Glockenstuhl zu vermeiden und auch auf Grund der Sicherheit wurde die erste Glocke bereits 2003 still gelegt, die zweite folgte Anfang des Jahres und die dritte wurde zu Ostern zum letzten Mal geläutet.
Ja, aber eine Kirche, ohne Glocken? Das ist doch unvorstellbar. Wie sollte es nun weitergehen?
Uns war schon lange klar, dass wir uns um ein neues Geläut kümmern müssen. Seit Anfang dieses Jahrzehnts haben wir deswegen angefangen, intern Spenden zu sammeln, machten dies aber dann im August des vergangenen Jahres öffentlich und starteten einen Spendenaufruf, zu der die Thüringer Landtagspräsidentin und damalige Finanzministerin Birgit Diezel die Schirmherrschaft übernommen hatte. Von vielen Geraer Einwohnern, aber auch von außerhalb, gingen Spenden ein. Durch Benefizkonzerte, zum Beispiel durch den Kreuzchor oder das Kammerorchester des Theaters und durch Lottomittel nahmen wir weitere Gelder ein.

Reichen die Mittel aus?
Dank vieler haben wir die stolze Summe von fast 80.000 Euro beisammen, so dass wir uns mit gutem Gewissen zum Glockengießen in die Benediktinerabtei Maria Laach auf den Weg machen konnten.

Das war ja erst dieser Tage. 20 Gemeindeglieder von St. Johannis und Pfarrer Sebastian Kircheis waren dabei als die Glocken für ihre Kirche gegossen wurden. War das ein bewegendes Erlebnis?
Das kann man wohl sagen. Ich musste sofort an Schillers Lied von der Glocke denken. Die Herstellungsmethoden in der Laachener Glockengießerei unterscheiden sich in nahezu nichts von denen, die sich seit dem Mittelalter etabliert haben. Angewendet wird das traditionelle Lehmformverfahren. Dadurch sind die Glocken in Form und Klang kunsthandwerkliche Unikate. Als wir ankamen waren die Formen der Glocken bereits aus Ziegeln und einer Lehmschicht mit Pferdemist und Stroh, dazu Schriften und Verzierungen vorbereitet und fest in der Glockengrube eingebaut.

"Von der Stirne heiß rinnen muß der Schweiß", heißt es ja bei Friedrich Schiller. Wurde Ihnen auch heiß?
Wir haben ja nur zugesehen. Trotzdem, es konnte einem schon heiß werden, wenn man das etwa 1100 Grad heiße, rot glühende flüssige Metall, eine Mischung aus Zinn und Kupfer, durch die vorbereiteten Rinnen in die Glockenformen, die bis zu 2,50 Meter in die Erde eingelassen sind, fließen sieht. Nach Tagen der Abkühlung wird die Glocke aus der Grube gegraben, die Lehmformen werden abgeschlagen, und es beginnen die Säuberung und das Polieren der Glocke. Das sind die spannendsten Momente für den Glockengießer, erzählte uns Bruder Michael. Erste nach der Kontrolle des Glockentones kann von einem gelungenen Guss gesprochen werden.

Ja, dann gehen wir einfach davon aus, dass die Laachener Glockengießer nach Schillers Motto gearbeitet haben: "Soll das Werk den Meister loben, doch der Segen kommt von oben". Wann können die Geraer denn zum ersten Mal wieder die Glocken von St. Johannis hören?
Wir hoffen zum Reformationsfest am 31. Oktober. Doch vorher gibt es am 18. September die Glockenweihe zum 125. Kirchweihfest.

(Das Gespräch führte Helga Schubert)

( 18.06.2010 )

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