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Geld reicht nur bis zur 50. Kalenderwoche

"Wir haben ein fusionierendes Theater in Gera und Altenburg. In beiden Häusern wird gespielt und produziert. Und so soll es auch bleiben", verkündete der Aufsichtsratsvorsitzende der Theater und Philharmonie Thüringen GmbH (TPT) und Oberbürgermeister von Altenburg, Michael Wolf, in einer Pressekonferenz.
Gegenwärtig gehe es um den Fortbestand des Theaters und weniger um Vertragsabschlüsse und dergleichen, "da interessieren uns auch keine Fristen und keine Streichungen von Vorstellungen. Wir beschäftigen uns die nächsten drei bis vier Wochen mit der Rettung der Gesellschaft", bestätigte er. Trotzdem, um die drohende Insolvenz abzuwenden, sei es jetzt weniger als fünf vor zwölf. Nach den Darstellungen von Michael Wolf ist das Theater noch bis zur 50. Kalenderwoche zahlungsfähig. Bis dahin muss eine Lösung gefunden werden.
Wie konnte es überhaupt zu diesem Debakel kommen? Der Aufsichtsratsvorsitzende nannte es Kostenaufwüchse, die sich aus unterschiedlichen Gründen so aufgebläht haben. Der größte Teil stamme aus den Personalkosten und den Gasthonoraren. Nach dem gewerkschaftlich geforderten Abschluss der Haustarifverträge - wobei auch rückwirkend gezahlt werden musste - sei es zu einer enormen Steigerung der Personalkosten gekommen: von 2009 bis 2013 ist von 2,4 Millionen Euro die Rede. Das sei vom Aufsichtsrat nicht vorhersehbar gewesen. Ein weiteres Loch in den Haushaltstopf des Theaters hat die Zahlung von Gasthonoraren gerissen. Durch den Anspruch des Intendanten Prof. Matthias Oldag, künstlerisch hochwertiges Theater anzubieten, seien die Honorarzahlungen stärker angestiegen, als sie hätten dürfen. Ins Gewicht fallen aber auch Instandhaltungs- und Transportkosten.
Der Aufsichtsrat macht dem Intendanten den Vorwurf, dass er mögliche Kontrollen vernachlässigt habe. Zwei Leute hätten auf jeden Fall vom drohenden Finanzloch gewusst und den Intendanten informieren müssen, nämlich der Verwaltungsdirektor und die Leiterin der Finanzbuchhalterin. Beide wurden bereits entlassen, und der Aufsichtsrat prüft Haftungsansprüche, aber auch gegen weitere Mitarbeiter und mache auch vor der Intendanz nicht Halt, wie Michael Wolf betonte. Im Juni habe der Aufsichtsrat die Quartalszahlen angefordert und keine Antwort erhalten. Erst im August seien das Gremium wie auch der Intendant über die wahre Lage von TPT informiert worden. Dann wurde am 14. September die erste Sitzung einberufen und ein externer Wirtschaftsprüfer hinzugezogen. Es galt, die Liquidität der Gesellschaft bis Ende 2012 zu prüfen.
Es stellte sich heraus, dass, um den Fortbestand des Theaters in seiner jetzigen Form zu sichern, 1,85 Millionen Euro fehlen. Maßnahmen zur Gesundung seien nicht einfach, gab Michael Wolf zu, denn Verträge für die Spielzeit 2010/2011 seien bereits abgeschlossen, Haustarife könnten nicht gekündigt werden, Karten für Vorstellungen seien bereits verkauft, und auch teure Produktionen könnten aus rechtlichen Gründen nicht einfach gestrichen werden. "Es muss von außen zur Bezuschussung kommen, sonst kann die Gesellschaft eine Insolvenz nicht mehr abwenden", ist das Resümee. Trotzdem seien Sparmaßnahmen in höchsten Maße angesagt, räumt der Aufsichtsratsvorsitzende ein. "Unser Ziel ist es, eine Kostendeckung zu erreichen". Dass Ausgaben höher als Einnahmen seien, müsse verändert werden. Als Möglichkeiten nannte er Verringerung der Vorstellungszahlen, eine modifizierte Spielplanstruktur, Modifizierung des Abonnentenangebotes. Die kaufmännische Kontrolle müsse optimiert werden. Der Aufsichtsrat erwarte einen monatlichen Bericht.
Trotz aller Sparmaßnahmen kann aber nur das Land Thüringen oder ein günstiger Kredit das Theater Gera/Altenburg retten. Gegenwärtig ist es noch zahlungsfähig, aber nur, weil das Land die Ende des Jahres fälligen Zahlungen bereits jetzt vorgenommen hat. "Wir wollen ja das Theater auch in der Zukunft noch haben und brauchen deswegen das Land als Partner", bekräftigte er. Die Entscheidung soll am 8. November in der Sitzung des Aufsichtsrates fallen.

( Helga Schubert, 28.10.2010 )

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