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Gera will Strahlen des Jenaer Lichts einfangen

Unbestritten und nachvollziehbar: Eine funktionierende Hochschullandschaft wirkt sich prosperierend auf die Entwicklung einer Stadt aus. Macht man in Gera die Probe auf Exempel, wird die Ernüchterung folgen. Mit der Berufsakademie und der SRH Fachschule für Gesundheitswesen hat Gera einen Schritt in Richtung universitärer Ausbildung gemacht. Rund 1000 Studenten wurden immatrikuliert, aber trotzdem entwickelt sich kein studentisches Leben: Keine Studentenklubs oder -kneipen, kaum Musikgruppen oder ähnliches. Kein Wunder, denn damit stellen die Studentinnen und Studenten nur rund ein Prozent von Geras Bevölkerung. Im Stadtbild treten sie kaum in Erscheinung. Ganz anders in der Nachbarstadt Jena: Knapp 20.000 Studenten haben sich allein an der Friedrich-Schiller-Universität eingeschrieben. Und so ist Jena mit einer nahezu gleichen Einwohnerzahl wie Gera eine junge, studentenfreundliche Stadt, die - fast nebenbei - die dort heimische Wirtschaft mit hervorragend ausgebildetem Nachwuchs versorgt. Gera hat mit einem Altersdurchschnitt von gegenwärtig rund 45 Jahren auch für die Zukunft erhebliche Probleme.
Ganz problemlos ist die Situation aber auch in Jena nicht. In der Saale-Stadt ist kaum Wohnraum zu finden, Studenten suchen lange nach einer Bleibe. Der frühere Jenaer Oberbürgermeister und heutige Bundestagsabgeordnete Dr. Röhlinger hat lange Zeit dafür geworben, dass Studierende aus Jena sich in Gera eine Wohnung suchen, das Angebot ist breit und preiswerter als am Studienort. Und schließlich sei die Entfernung zwischen beiden Städten zumutbar. Stimmt. Aber die Studenten vermissen in Gera das studentische Leben. Also fast ein Lehrbeispiel für einen Gordischen Knoten. Dieser kann bekannter Weise nur durch energische und unkonventionelle Mittel gelöst werden.
In Gera hat sich jetzt ein "Verein zur Studentenförderung" gebildet, der sich dieses Themas annehmen will. Immerhin 15 Gründungsmitglieder fanden sich zusammen, die alle wissen, dass es sich in Gera gut leben lässt. Warum also nicht auch für Studenten, wenn man ihnen auf die Sprünge hilft. An der Gründungsversammlung nahmen auch Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm - er trug sich in die Mitgliederliste ein - Bürgermeister Norbert Hein sowie Vertreter von Stadtrats-Fraktionen teil. Dr. Vornehm versprach Unterstützung, obwohl die Möglichkeiten der Politik trotz des von allen Parteien hoch gelobten Primates der Bildung unserer Jugend begrenzt sind und nicht allein auf kommunaler Ebene enden können.
Der später zum Vereinsvorsitzenden gewählte Geraer Rechtsanwalt Ralf Spies stellte die rhetorische Frage "Warum soll Gera nicht einmal drei Strahlen des Lichtscheines von Jena einfangen?" So könne er sich vorstellen, dass einzelne Fachbereiche der Jenaer Uni nach Gera ausgegliedert werden. Gute Erfahrungen gäbe es genug, so u.a. von der Fachhochschule Görlitz/Zittau. Einen gesunden Druck will der Verein auch auf die Politik im Freistaat ausüben, denn es könne nicht sein, dass Thüringen in Jena aufhört. Wohnungsunternehmen haben ihre Unterstützung schon signalisiert, auf die heimische Wirtschaft will der Verein ebenfalls zugehen, weil er ihre Hilfe braucht.
Als eine Möglichkeit sieht der neue Verein an, Studenten in Gera mit Zusatzstipendien, Beihilfen und ähnlichem zu fördern, um möglichst viele Studenten für den Standort Gera zu gewinnen. "Daraus resultierend versprechen wir uns auch eine Rückwirkung auf unser gesamtstädtisches Leben. Zu denken wäre dabei auch an eine Stabilisierung der Einwohnerzahl und in diesem Zusammenhang eine Verbesserung der Wohnungsbelegung. Wir sehen durchaus Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung, da mit der Anwesenheit von Studenten sich regelmäßig auch das Angebot an Arbeitskräften verbessert. Am Beispiel von Studentenstädten lässt sich unschwer erkennen, dass es zu vermehrten Unternehmensneugründungen durch Hochschulabsolventen kommt, welche wissenschaftliche Ideen vor Ort in die Tat umsetzten." Und schließlich dürfe Gera nicht zu einem großen Altersheim werden.
Parteiübergreifend und unabhängig von Stand und Besitz sollen sich möglichst viele Geraer an den Initiativen des Vereins beteiligen. Zum Vorstand gehören neben Ralf Spies (Vorsitzender), der Architekt Heiko Wendrich (stellv. Vorsitzender), der Steuerberater Uwe Lewin und Olaf Böhme. Nähere Auskünfte bei H. Wendrich. Berliner Straße 73, 07545 Gera. Die Anerkennung als "Gemeinnütziger Verein" wurde beantragt und steht kurz bevor.

( Reinhard Schubert, 07.07.2011 )

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