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Man sage niemals "Für uns’re Zwecke wird’s scho langen"

Professor Matthias Oldag hat sich verabschiedet. Viel weniger profan, als es das Wort von der "Intendanten-Bratwurst" zum Spielzeitausklang am Freitag vergangener Woche sagen kann. Der Generalintendant von "Theater & Philharmonie Thüringen" (TPT) lud in Geras Bühne am Park ein. Es kamen Kollegen der Belegschaft, Künstler der Ensembles und Gäste seiner Inszenierungen, Theater-Freundeskreise und Geschäftspartner. Ja, er hatte mit Einladungen den Zugang etwas eingeschränkt. Wohl, um sich die Melange der Stimmung nicht verleiden zu lassen. Die ergab sich nun fast automatisch am Vorabend des fröhlichen Theaterballs und nach dem zukunftsweisenden Auftritt des Kultusministers in Sachen Theaterfinanzierung. Ob ihm das noch eine gewisse Genugtuung war?
Der Aufsichtsrat der Altenburg-Gera Theater GmbH bestellte Matthias Oldag am 29. April 2005 einstimmig zum Geschäftsführer und Generalintendanten mit Beginn der Spielzeit 2006/07. Der Mann galt als zielstrebig und ehrgeizig, als bewusst im Umgang mit Debatten um Kunst und Geld, wie er sie von Weimar bis Bielefeld oder Schwerin erlebte und hier wieder erleben musste. Am Ende brachte ihm das neben der Würdigung seiner künstlerischer Leistungen und strategischen Weitblicks in der Kommunalpolitik, was Geras Oberbürgermeister erneut ausdrücklich hervorhob, auch viel Misstrauen ein. Aber Vertrauen ist für ihn ein ausgemacht sensibles Thema. Darin fühlte es sich zuletzt wohl zu sehr enttäuscht, um sich noch für eine Vertragsverlängerung zu bewerben. Und die TPT-Gesellschafter werden nach einem würdigen Nachfolger sorgfältig suchen müssen. Denn Charisma hat Oldag. Und das wirkte.
Teile seiner Abschiedsrede hatte er wieder wörtlich ausformuliert. Der Schliff - ein Zeichen intensiven Überlegens. Dabei hätte er es locker bei Aufzählungen von Premieren oder der besonderen Entdeckungen, einmaligen Inszenierungen usw. belassen können. In seine Zeit fiel die Eröffnung des rekonstruierten Geraer Haupthauses, das neben der modernen BaP neue Möglichkeiten eröffnete und sich für Theaterpraxis neu bewähren musste.
Fast 900.000 Besucher kamen in seinen fünf Jahren zu Aufführungen in Altenburger und Geraer Häusern. Am Ende so viele mehr, dass sie Wirtschaftsschätzer fast zu Pessimisten degradierten und in der schwierigen Phase drohender Insolvenz ermöglichten, den möglichen Rettungsschirm des Freistaates nicht beanspruchen zu müssen. Konsequentere Einsparungen inklusive.
Der Spagat von "Stadttheater" zwischen künstlerisch Besonderem, Bildungsauftrag und der Erfüllung vielfältiger Wünsche des Publikums tue manchmal weh im Schritt, deutete er zu Anspruch und Kompromiss seiner Arbeit nochmals an. Er habe sich dem gern gestellt, und trotzdem den Spruch: "Für uns’re Zwecke wird’s scho langen" verbannt. Besucherresonanz und vor allem Medieninteresse hätten viele Entscheidungen gerechtfertigt. Er arbeitete als Intendant in Städten, die sich als Kulturstandorte definieren wollen: Altenburg z.B. mit dem Städteleitbild; Gera geht über Kultur nach außen. "Das ist ein Signal an dieses Haus." Weil man bemerkt wird, seien Besucherzahlen gestiegen und habe sich das Publikum verändert. Es sei urbaner geworden mit dem gewonnenen Selbstverständnis der Stadt. Das spreche für Ästhetik. Das mag er an Gera. So erklärte es Oldag Ende 2010 im Interview. Er übergebe ein finanziell stabiles, künstlerisch gut aufgestelltes Haus, resümierte er jetzt. Dabei hatte er sicher das Mehrspartenhaus und die Zukunft der Ballettcompany als Thüringer Staatsballett im Hinterkopf. Jetzt folge erst einmal Urlaub. Nur sicher ist auch: Er ist immer noch hungrig auf Entdeckungen und baut auf Einmaligkeiten. So ist für ihn Theater. Erst recht, weil sein Berufsleben einst viel technischer und ganz anders begann.

( Thomas Triemner, 07.07.2011 )

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