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Bleibt Geras Theater ein Streichorchester?

Vor zehn Monaten zog sich Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff in seine Kammern zurück. Mit im Gepäck ein Team aus Experten und 34 leere Seiten, um ein zukünftiges Konzept für Thüringens Theaterlandschaft zu formulieren. „Thüringens Theater und Orchester sollen nachhaltig eine hohe Qualität bieten können und mehr Planungssicherheit erhalten. Das hat die rot-rot-grüne Landesregierung im Koalitionsvertrag festgeschrieben und sich auf einen stabilen Kulturhaushalt verständigt. Nach einem intensiven Austausch und zahlreichen Gesprächen in den Regionen – mit den Vertretern kommunaler Träger sowie den Intendanten der Theater und Orchester liegen umfangreiche Strukturvorschläge vor – als Modelle für eine zukunftsfeste Theater- und Orchesterlandschaft im Freistaat”, heißt es in einer Presseerklärung aus der Thüringer Staatskanzlei.

In der vergangenen Woche wurden diese Modellvorschläge der Öffentlichkeit präsentiert, damit „geht der Diskussionsprozess mit den Akteuren der Thüringer Kultur in die nächste Phase. Die Verhandlungen für die Finanzierungsverträge sollen Anfang 2016 beginnen und im Herbst abgeschlossen sein. Das parlamentarische Verfahren soll mit der Verabschiedung der Strukturreform für die Thüringer Theater und Orchester vor der Sommerpause im Juni 2016 abgeschlossen sein”, so der weitere Wortlaut.

Die mit den kommunalen Trägern der Thüringer Theater und Orchester geführten Gespräche, der Austausch mit den Intendanten sowie die Experten dienten insbesondere dazu, die Herausforderungen jedes einzelnen Standortes zu ermitteln, die bestehenden Kooperationsbeziehungen zu überprüfen und mögliche Potentiale zu identifizieren.

„Thüringen bekennt sich zu seiner Kultur in vollem Umfang. Klar ist aber auch, dass die reichhaltige Kulturlandschaft nicht im Status quo erhalten bleiben kann. In Ostthüringen sind daher auch Überlegungen zu mehr Kooperation und einer breiteren, solidarischen Finanzierung zwischen den Gebietskörperschaften notwendig. Die derzeitige Struktur unverändert zu finanzieren, bedeute steigende Zuschüsse in den nächsten Jahren. Diese können die Kommunen aber nicht mehr leisten, sodass dringend über die Zeit nach 2020 gedacht werden muss. Genauso wie das Land haben dies auch die Gesellschafter unseres Theaters verantwortungsvoll getan und diese Überlegungen spiegeln sich im Konzept von Minister Hoff wider”, bewertet Mike Huster, LINKE-Landtagsabgeordneter und TPT-Aufsichtratsmitglied.

Konkret für die Theater & Philharmonie Thüringen GmbH (TPT) heißt das: Aus Sicht der Staatskanzlei bestehen insbesondere mit der Jenaer Philharmonie Möglichkeiten der Zusammenarbeit, aus denen sich Spielräume im Hinblick auf die künftige Personalfluktuationsprognose ergeben. Kritisch sieht die Staatskanzlei die finanzielle Situation des Hauses. Grund ist zum einen die prekäre Lage der Stadt Gera, die wegen des Haushaltssicherungskonzeptes ihre Zuschüsse nach 2016 nicht weiter erhöhen kann und zum anderen der Landkreis Altenburg, der mittels Kreistagsbeschluss die Zuwendungen abriegelte. Als Vorteil einer möglichen Zusammenarbeit im Konzertbereich zwischen Jena, Gera und Altenburg sieht die Staatskanzlei die gute Verkehrsanbindung. Als die Spatzen die ersten Geheimnisse aus dem Theaterkonzept von den Dächern zwitscherten, wurden auch die Gerüchte um die erneute Verkleinerung des hiesigen Orchesters laut.

Nun steht es schwarz auf weiß, auch wenn das aktuelle Pamphlet noch nur eine Diskussionsgrundlage ist. So steht im 34-seitigen hoff‘schen Konzept, dass das Orchester Altenburg-Gera bis 2025 altersbedingt weitere sieben bis 13 Stühle von der Bühne räumen kann. Hendrik Schnöke, Vorsitzender des Orchestervorstandes des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera sieht es mehr als kritisch: „Was als Kulturerhaltungskonzept starten sollte, bleibt nun demoliert als Kulturabbaukonzept auf dem Boden falscher Prämissen und schwacher Konzepte zurück. Anstatt ein Kulturerbe für die Zukunft zu sichern, ist nun der Niedergang desselben auf Jahre hinaus umrissen und entworfen. Kooperation – Fusion – Abbau – Schließung, diesem seit Jahrzehnten in Thüringen herrschenden unheilvollen Mechanismus können anscheinend auch die derzeit Regierenden nichts entgegensetzen. Im Gegenteil. Seltsam forsch scheinen sie diesen noch befeuern zu wollen. In Ostthüringen wird dem sächsischen Partner die Auflösung der Vogtland-Philharmonie geradezu angeboten. Die Jenaer Philharmonie soll durch zunehmende Hilfsleistungen für Altenburg-Gera schleichend ihrer eigenen Entwicklungsmöglichkeiten beraubt werden. Die Überalterung des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera wird billigend in Kauf genommen und die Bespielbarkeit der Häuser in Altenburg und Gera weiter reduziert. Das ist die Ökonomisierung der Kulturpolitik in Ostthüringen! Zusammenfassend stellt sich die Frage: Wie will unsere Gesellschaft in herausfordernden Zeiten deutsche und europäische Werte verteidigen, erhalten und gestalten, wenn sie gleichzeitig den Abbau derselben vornimmt? Mit den vorgelegten Plänen manifestiert das Kultusministerium keine Visionen und Ansprüche, sondern lediglich die eigene Überforderung angesichts großer Aufgaben.”

„Das Land will Altenburg-Gera als Fünf-Sparten-Haus erhalten und würdigt die Arbeit unseres Theaters in künstlerischer und kaufmännischer Sicht. Das Land erhöht die Zuschüsse für die Thüringer Theater deutlich, trotz sinkender Landeshausalte in Perspektive. Es bietet zehn Jahre Planungssicherheit statt bisher vier Jahre. Allein das sind gute Grundlagen für eine sachliche Diskussion”, resümiert Aufsichtratsmitglied und Landtagsabgeordneter Mike Huster abschließend. 

( Fanny Zölsmann, 14.11.2015 )

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