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Dem Universum ganz nah

Ich weiß nicht, ob ich dankbar oder verärgert sein soll, über den Fakt, dass wir in der Schule keinen Astronomieunterricht hatten. Ich weiß nämlich nicht, ob ich überhaupt mitgekommen wäre. Ganz einfach aus dem Grund, weil ich das Universum nicht begreife. Ich habe Sofies Welt gelesen und viele andere Bücher von Jostein Gaarder. Ich kann mich eher in die Welt der Philosophie als in die der Wissenschaft eindenken. Sobald ich anfange über das Universum nachzudenken, flackern bei mir unendlich viele Fragen auf. Was kommt nach dem Universum? Wie fühlt sich es an? Wie kann es überhaupt ein Paralleluniversum geben, wenn wir doch gar nicht wissen, wie groß unseres ist? Wo befindet sich überhaupt all das, was ich am Himmel sehe? Warum sehe ich das am Himmel, was vor Lichtjahren entstanden ist?

Für mich ist es so, wie es einst Jostein Gaarder in Sofies Welt geschrieben hat: Für die Menschen ist das Universum eine unfassbar große Wirklichkeit.

Für Ronny Elsner samt seiner neun Vereinsmitglieder nicht. „Man weiß, dass die weitentfernteste Galaxie, die wir derzeit sehen können, 13,4 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt ist”. Und bereits jetzt, wenn er diesen Satz sagt, fängt es bei mir an zu rattern. Mein Kopf ist dafür einfach zu klein. Wie kann etwas nicht endlich sein, wenn ich selbst es doch bin?

Aber vielleicht ist es genau das, warum ich keine Vorstellungskraft für jenes weitentfernte Mysterium habe. Wenngleich meine Fähigkeiten für diese Wissenschaft nicht ausreichen, bin ich von der Welt, die jeden Tag auf mich herabscheint fasziniert und ich höre gespannt zu, wenn Ronny Elsner über die Dinge, die da oben passieren, erzählt. Und genau das ist es, was das Astronomische Zentrum erreichen möchte. „Wir wollen die Sterne zum Greifen nahe bringen. Ich finde es indes schade, dass es keinen flächendeckenden Astronomieunterricht an den Schulen gibt. Ich denke, es würden sich viel mehr Menschen für die Naturwissenschaften interessieren, wenn sie im Kindes- und Jugendalter noch intensiver herangeführt werden würden. Gera besaß und besitzt eine Sternwarte. Doch seit Jahren liegt diese nicht nur im Dornröschenschlaf, sondern wird auch stiefmütterlich behandelt. Ich habe vor, die Sternwarte, die sich noch im Haus der Pioniere befindet, vom jetzigen Eigentümer der Immobile abzuwerben. Die Gespräche dafür laufen. Eine Idee ist es, die Sternwarte auf das ehemalige Horten-Kaufhaus zu installieren. Allerdings wäre sie dann nur ein Publikumsmagnet. Zur freien Sicht ist dieser Ort nicht geeignet. Besser wäre dahingehend, um einen klaren Sternenhimmel zu sehen, entweder auf der Lasur oder ‚Am Stern‘ – einen namentlich besseren Ort könnte es kaum geben. Diese beiden Orte eignen sich hervorragend, weil beide im Südosten liegen. Denn das, was sich am Himmel ändert, passiert im Süd-Westen. Im Norden befindet sich nicht besonders viel, u.a. die Milchstraße”, erklärt der passionierte Hobby-Astronom. Seit seiner frühesten Kindheit ist er ein Sternenfänger. Sein Vater habe ihn angesteckt. Heute besitzt er eine kleine private Sternwarte und vor zwei Jahren gründete er den Verein, dem er seitdem vorsitzt.

In den Räumlichkeiten hinter dem Metropol-Kino, in der Leipziger Straße 24, haben sie ihre Zelte aufgeschlagen. Auf wenigen Quadratmetern erstreckt sich ein Vortragsraum für 30 Gäste und der Hauptraum samt emporragender Kuppel, das Herzstück des Vereins: „Hier ist das Planetarium, welches Platz für 23 Sternenanbeter bietet”, freut sich Elsner auf funkelnde Stunden. Neben Vorträgen und astronomischen Stunden werden die Mitglieder auch Ausstellungen zu diversen Themen, allen voran 60 Jahre Sternwarte in Gera, bieten. „Es werden verschiedenen Filme im Planetarium zu sehen sein. Während wir vormittags für Kindergarten- und Schulgruppen Vorstellungen anbieten werden, sollen am frühen Abend die Erwachsenen in den Genuss der Sternenstunden kommen”, freut sich Elsner auf ein Programm, welches von Kurz- und Kunstfilmen geprägt sein wird. Denn das Planetarium bietet nicht nur Raum für Großen Bär, Drache und Polarstern, sondern auch für sogenannte „Fulldome”-Filme. Das sind thematische, computerbasierte Ganzkuppelprojektion, die sich der Architektur, Natur oder auch der Gefühlswelt widmen.

Los geht es ab Sonnabend, 28. Januar, 15 Uhr, dann eröffnet der Verein sein komplett in Eigenregie finanziertes Domizil. „Wir wollten auf keine Fördermittel zurückgreifen, wir wollen unabhängig arbeiten und auf eigenen Füßen stehen”, spricht der Freelancer aus Erfahrung, wie wertvoll es ist, eigenbestimmt wirken zu können.

Ich freue mich schon auf diesen Ort, der es mir ermöglichen wird, den Sternen ganz nah sein zu können und vielleicht auch das Geheimnis der Lichtjahre lüften zu können.

( Fanny Zölsmann, 14.01.2017 )

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