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Nachts mit dem Messer angegriffen

Es war die Nacht vom 8. auf den 9. Februar, als zwei junge Männer gemeinsam mit einer Freundin nach Hause gehen wollten. Die Uhr zeigt 00.05, als Polizeikräfte der LPI Gera in der Leipziger Straße zum Einsatz kamen. „Aus dem Nichts wurde mein Sohn samt seiner Freunde angerempelt”, schildert der Vater. Im offiziellen Polizeibericht vom 18. Februar stand zu lesen: „Nach derzeitigen Erkenntnissen trafen die beiden späteren Geschädigten (28, 34, deutsch) auf die in der Leipziger Straße befindlichen und mit ca. 2 Promille erheblich alkoholisierten Tatverdächtigen (15, 19, 21, syrisch, afghanisch). Im weiteren Verlauf rempelte der 19-jährige Tatverdächtige die beiden Geschädigten an, woraufhin ein verbaler Streit entfachte. In diesen mischten sich auch die beiden 15- und 21-jährigen Männer mit ein. Kurz darauf wurden die zwei Geschädigten von dem 15-Jährigen und dem 19-Jährigen massiv mit Schlägen und Tritten, sowie zum Teil mit einem Messer, körperlich angegriffen und erheblich verletzt. Lebensgefahr besteht nicht. Nach der Tat flüchteten alle drei Täterverdächtigen, konnten jedoch im Rahmen der polizeilichen Fahndung aufgegriffen und vorläufig festgenommen werden. Ein Rettungswagen brachte die beiden Geschädigten in ein Krankenhaus. Die Ermittlungen dauern derzeit weiter an.” Seit dem Vorfall sind einige Tage und Berichte in der Tageszeitung und in sozialen Netzwerken vergangen. Vieles wurde berichtet, einiges anfangs weggelassen, falsch berichtet oder dazu gedichtet. Auch unter anderem die Tatsache, dass die Polizei die Angehörigen dazu aufforderte, eigene Stellungnahmen aus dem sozialen Netzwerk wieder zu entfernen. „Dem war nicht so”, verneint der Vater, der seit dem Vorfall die Geschehnisse veröffentlichte. Im Gesicht seines Sohnes mahnt eine lange Narbe an die Geschehnisse jener Nacht. Die seelischen Verletzungen sind nicht sichtbar.

Unverständnis wurde laut, als der jugendliche Tatverdächtige wieder frei gelassen und erst ein paar Tage später wieder festgenommen wurde. „Der Tatverdächtige wurde in der Tatnacht vorläufig festgenommen, um polizeiliche Maßnahmen zu realisieren. Die vorläufige Festnahme des Tatverdächtigen wurde zunächst wieder aufgehoben, da unter den Voraussetzungen die gesetzlichen Voraussetzungen für die Anordnung der Untersuchungshaft nicht gegeben waren. Vor einer Woche, versuchte sich der Tatverdächtige weiteren polizeilichen Maßnahmen zu entziehen, weshalb nunmehr die gesetzlichen Voraussetzungen vorlagen und seitens der Staatsanwaltschaft Gera Haftbefehlsantrag wegen Fluchtgefahr gestellt wurde. Durch das Amtsgericht Gera wurde der Haftbefehl in der Folge erlassen”, antworte Staatsanwalt und stellvertretender Pressesprecher Dr. Sven Schroth, der zu weiteren Ermittlungsdetails derzeit keine Angaben machen kann, um die laufenden Ermittlungen, die wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung geführt werden, nicht zu gefährden.

Anmerkung der Staatsanwaltschaft: „Zunächst ist festzuhalten, dass das Gesetz hohe Anforderungen an die Anordnung von Untersuchungshaft gegenüber Tatverdächtigen stellt. Die Untersuchungshaft folgt keinen Automatismen. Sie soll vornehmlich die Durchführung eines geordneten Strafverfahrens gewährleisten. Sie darf keinesfalls zu anderen Zwecke missbraucht werden. Sie darf nur in streng begrenzten Ausnahmefällen angeordnet werden. Neben diesen grundsätzlichen Erwägungen setzt die Untersuchungshaft im Speziellen neben dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit voraus, dass ein sogenannter Haftgrund besteht. Im Wesentlichen sind dies: Flucht, Fluchtgefahr und Verdunkelungsgefahr. Hinzu kommt in diesem Fall, dass der Gesetzgeber bei Jugendlichen (im Sinne des Gesetzes Personen zwischen 14-17 Jahren) die ohnehin schon engen Voraussetzung für die Anordnung der Untersuchungshaft ganz erheblich eingeschränkt hat (§ 72 Jugendgerichtsgesetz).”

Für den Vater bleibt die Hoffnung und Forderung zugleich, dass ernsthaft geprüft wird, ob der Täter, der das Messer zückte, lediglich nach Jugendstrafrecht angeklagt werden kann. „Denn dann handelt es sich bei der Strafe nur um eine Erziehungsmaßnahme und die steht in keinem Verhältnis zur Schwere der Tat.” Ganz klar ist: „Wir wollen keinen Rassismus schüren, sondern darauf aufmerksam machen, dass dies jedem jederzeit passieren kann”, so der Vater abschließend. 

( Fanny Zölsmann, 26.02.2020 )

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