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Die Nase immer in die Geschichte getaucht

Als Kind wollte er Schriftsteller und Ritter werden. Wolfram von Eschenbachs Parzival hat es ihmbereits im Alter von neun Jahren angetan. Zeit seines Lebens widmete er sich dem Vergangenen – Geschichte gesellte sich zu Krimis und fortan schrieb er seine eigenen Bücher.

Michael Kirchschlager verfasste mit neun Jahren seinen ersten Ritterroman als Krimi, 100 Seiten. Historie sollte sein Beruf werden. 1991, als einer der letzten bevor es zum Magister wurde, konnte er den Abschluss zum Diplom-Historiker in den Händen halten. Er bekam eine Anstellung auf der Runneburg in Weißensee, eine der bedeutendsten romanischen Profanbauten Deutschlands. „Bis 2009 habe ich hier als Historiker, Publizist, Kneiper, Puppenspieler, Archäologe – kurz: Mädchen für alles, gearbeitet”, erinnert sich der studierte Historiker zurück.

Das eigene Schreiben ließ ihn nie wieder los. Zahlreiche Bücher schrieb er, jedoch Verlage ließen sich nur schwer überzeugen. Das erste Buch sollte erscheinen, den Vertrieb übernahm Kirchschlager selbst. Nach diesen Erfahrungen entschloss er sich kurzerhand selbst einen Verlag zu gründen. Mitte der 90er Jahre war dessen Geburtsstunde. 1995, im Alter von 29 Jahren, wurde Michael Kirchschlager Verleger. Er veröffentlichte sein zweites Buch – ein Renner, ja ein Bestseller für Weißensee. „Ein Historiker in dem neuen Bundesland will herausgefunden haben, daß es für die Stadt Weißensee schon vor dem Erlaß des Reinheitsgebotes durch Bayernherzog Wilhelm IV. im Jahr 1516 eine Verordnung für das Bierbrauen gab, die sogenannte ‚Statuta thaberna’ aus dem Jahr 1434. Vor wenigen Tagen platzte der Rathauschef der kleinen thüringischen Kommune, Peter Albach, damit heraus. ,Das schlägt dem Faß den Boden aus‘, war die einhellige Reaktion der Bayern tags darauf. Gestern schoß der Bayerische Brauerbund scharf zurück. In einer elf Punkte umfassenden Erklärung wurde die Behauptung aus Weißensee Schluck für Schluck ,obegschwoabt‘, wie der Bayer zum Trinken seines Nationalgetränks sagt. Von einer ,rein lokalen Bestimmung‘ ist da zu lesen, die ,nur begrenzte Zeit eingehalten wurde‘. Schon um 1600 hätten sich die Bierbrauer in der Landgrafenstadt nicht mehr um ihre Regeln geschert. Stärkemehl, Zucker, Sirup oder gar Reis hätten sie in die Sudpfannen geschüttet, spottet der Brauerbund”, steht es in einem Artikel der Thüringer Allgemeine vom 25. April 1998 geschrieben.

Die Rede ist von Michael Kirchschlager, der mit seinem Buch „Das Reinheitsgebot von 1434 in Weißensee in Thüringen” einen großen Clou landete.

Er blieb dran. 2006 veröffentlichte er „Historische Serienmörder: menschliche Ungeheuer vom späten Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts”, gemeinsam geschrieben mit Stephan Harbort. „Das war ein Amazon-Bestseller, er war unter den Top 1.000”, zeigt er sich noch heute stolz über die bisher umfassende Tetralogie, der jüngsten Band erschien 2018.

In all den Jahren seines Wirkens wurden auch immer mehr Autoren auf ihn aufmerksam. So kam es, wie es sich für einen Verlag gehört, er fing an Bücher aus fremden Federn zu verlegen. „Ich wusste bereits um die Stärke regionaler Bücher, zahlreiche meiner eigenen geschriebenen Werke haben sich gut bis sehr gut verkauft. Ein Beispiel dafür war das bereits 2001 veröffentlichte Opscurum: Mord- und Schauergeschichten aus Thüringen”, erinnert sich Kirchschlager zurück.

Mord, Totschlag, Serienkiller – ein scheinbarer Garant für gute Verkäufe. Dass das so ist, beweisen nicht zuletzt die gesammelten Werke von Hans Thiers. Seit 2014 geht er im Hause Kirchschlager ein und aus. 2020 erschien nun – wir berichteten in der letzten Ausgabe – sein nunmehr viertes und wirklich letztes Buch. „Ich habe nun alle meine Fälle und aus den Jahren davor aufgearbeitet und in drei Büchern die Morde aus dem Bezirk Gera dokumentiert. Das zusätzliche Buch Serienmörder der DDR runden meine Schriftstellerkarriere ab”, so Hans Thiers resümierend und rückblickend auf seine letzten sieben Jahre, die er als Entertainer verbracht hat. Gemeinsam mit Kirchschlager kann er weit mehr als 300 Lesungen, eine Vielzahl an Krimi-Dinner und gemeinsam mit Ulli Braumann nun auch Stadtführungen verbuchen.

Zu jedem Jubiläum gab es eine Festschrift – so soll es auch 2020 zum 25Jährigen sein. „Es ist das dritte Buch der Mordfälle im Bezirk Gera”, verkündet Kirchschlager, der nun in Anbetracht der abgesagten Leipziger Buchmesse auf Buchhandlungen und Lesungen setzen will, um das finale Werk von Thiers ebenfalls zum Beststeller aufleben zu lassen. 

( Fanny Zölsmann, 18.03.2020 )

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