Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Bis zu einer Woche Wartezeit

In der vergangenen Woche machten wir, das Team von Neues Gera, uns auf den Weg eine Antwort auf die Frage zu bekommen, warum in Gera die Ergebnisse für die Corona-Testungen fünf bis sechs Tage dauern, wenngleich ein Labor in Greiz selbige binnen 24-Stunden liefern können.

Wir gingen auf Spurensuche und nahmen Kontakt mit der Pressestelle der Stadt Gera, mit der Kassenärztlichen Vereingung und mit dem Labor aus Greiz und einem in Altenburg auf. Auf unserer Route der Recherche wurde an uns herangetragen, dass Gera als einzige thüringische Kommune unsolidarisch handele, indem nur Geraer Verdachtsfälle getestet werden, jedoch Anreiner aus dem benachbarten Landkreis Greiz abgewiesen und in die entfernte Landeskreisstadt verwiesen werden würden. „Tests und Termine stehen ausschließlich für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Gera zur Verfügung”, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt Gera vom 21. März – an diesem Tag wurde die mobile Teststrecke auf dem Hofwiesenparkplatz errichtet. Während Abstrichstellen in anderen Kommunen in Verantwortung der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen sind, wurde in Gera – so wurde es an unsere Zeitung herangetragen – lediglich das Personal über selbige Körperschaft gestellt, die Verantwortung über Verfahren und Labor würden jedoch bei der Stadt Gera selbst liegen. Auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung am Mittwoch, 1. April, hieß es, dass Testungen aus dem Gesundheitsamt Gera an ein Labor nach Bad Langensalza, Testungen aus der Abstrichstelle auf dem Hofwiesenparkplatz nach Weiden/Oberpfalz geschickt werden.

„Wir können binnen 24 Stunden ein Ergebnis für 400 Probanten liefern und haben immer noch Luft nach oben. Zu uns kommen Proben u.a. aus Schleiz, Saalfeld und Greiz”, bestätigt uns am 1. April auf Nachfrage Dr. med. Beate Hermann vom MVZ Dianovis Greiz. Das reine Testverfahren dauert unter optimalen Bedingungen fünf bis sechs Stunden. In Gera haben Getestete fünf bis sechs Tage, mitunter sogar bis zu einer Woche auf ein Ergebnis warten müssen.

Einmal in der Woche fragt der Bundesverband Deutscher Laborärzte e.V. deutschlandweit den aktuellen Stand der Testungen bei 100 Laboren ab. Jüngst vermeldete das Labor Weiden in der Oberpfalz selbst einen Rückstand von 1.000 Proben.

Laut einem MDR-Fernsehbericht, der am Montag, 30. März, zu sehen war, habe ein Labor in Altenburg freie Kapazitäten. „Wir verfügen über eine Maschine, die theoretisch unter optimalen Bedingungen alle 90 Minuten 96 Proben untersuchen kann”, erklärt Dr. Andreas Meyer vom Medizinischen Zentrallabor Altenburg auf Nachfrage und bestätigt, dass u.a. die Proben vom Abstrichstützpunkt Altenburg, verantwortet von der Kassenärztlichen Vereinigung, zu ihm geschickt werden. Auch niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser aus Altenburg, Zeitz und Naumburg schicken ihre Proben ins Medizinische Zentrallabor Altenburg. „Fakt ist, es ist nicht verboten, sich ein Labor seiner Wahl herauszusuchen”, bestätigt Dr. Andreas Meyer.

Nicht nur verschiedene Presseorgane, sondern auch die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats Gera haben die sehr lange Bearbeitungszeit der Geraer Testungen hinterfragt.„Ein Thema, was nach einem Bericht des MDR gestern Abend aufgekommen ist. Wir haben das bei der Kassenärztlichen Vereinigung angeschoben”, so OB Julian Vonarb.

„Die Entscheidung, dass alle Gesundheitsämter mit dem Labor in Bad Langensalza zusammenarbeiten, hat das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz getroffen. Welches Labor für die mobile Teststrecke genutzt wird, entscheidet die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Thüringen. Seit heute wird ein Labor in Greiz genutzt”, hieß es am 2. April von Seiten der Geraer Stadtverwaltung. Folglich stehen nun bei allen Tests binnen 24 Stunden die Ergebnisse fest. Im Abstrichstützpunkt auf dem Hofwiesenparkplatz finden Montag bis Freitag von 18 bis 20 Uhr und am Wochenende von 10 bis 12 Uhr die Beprobungen statt. „Des Weiteren haben wir ein mobiles Team, insbesondere für Beprobungen in Pflege- und Altenheimen, eingerichtet. Diese arbeiten ganztägig, sobald Testungen durchgeführt werden müssen. Das Gesundheitsamt arbeitet im Schichtsystem, um die Kontakte untereinander zu minimieren und die Aufrechterhaltung der Tätigkeiten gewährleisten zu können. Unter anderem werden in diesem Amt die Kontaktpersonen der positiv getesteten Personen ermittelt, Anordnungen zur Quarantäne erstellt und zugestellt, die Einhaltung von Hygienemaßnahmen überprüft”, so Charline Köhler, Persönliche Referentin des OB.

Über welche Personen Quarantäne verhangen werden, wenn es einen Verdachtsfall bzw. positiv getesteten Fall gibt, darüber entscheidet das sogenannte „Kontaktpersonenmanagement“ des Robert-Koch-Instituts.

Schade, dass es einer kleinen Notiz in der Tagespresse zu Greiz, eines MDR-Berichtes zu Altenburg und der hartnäckigen Nachfragen aus dem Stadtrat bedurfte, bis auch in Gera „Patienten“ und Verantwortungsträger nicht mehr tagelang im Ungewissen bleiben.

( Fanny Zoelsmann, 07.04.2020 )

zurück