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Hilfen im Zeichen der Krise

„Geschlossen“ steht an der Eingangstür vom ASB Behindertenheim in der Franz-Stephan-Straße 40. Seit geraumer Zeit dürfen Fremde dieses Pflegeheim für schwerst- und geistig behinderte Menschen nicht mehr betreten. Das gesamte Gelände steht zum Schutz der Bewohner unter Quarantäne. „Für alle Mitarbeiter gilt seit 20 Tagen Mundschutzpflicht. Das betrifft sowohl die Versorgung im Heim, als auch die Spaziergänge mit den Bewohnern im Außenbereich“, erklärt Christian Köcher, verantwortlich für das Qualitätsmanagement in den Heimen der ASB Behindertenhilfe. Man möchte die Bewohner vor den Mitarbeitern schützen, die ja unbekannterweise infiziert sein könnten, betont Köcher. Die Versorgung mit Hygienematerialien sei nicht schlecht. „Über die Verbände und Länder ist einiges angekurbelt, es kommt zwar schleppend, aber es kommt. Die Einkaufspreise sind dabei völlig unterschiedlich. Die Preise vom Land und den Verbänden sind normal geblieben, aber wir erhalten täglich Angebote aus dem Privatbereich mit Preisen für handgefertigte Masken von bis zu 20 Euro. Das ist unseriös und total überzogen“, so Christian Köcher. Daher freue er sich über Spenden einfacher Stoffmasken aus ehrenamtlicher Arbeit. Viele Vereine haben begonnen, im Ehrenamt Mund- und Nasenschutzmasken zu nähen. Manuela Prautsch, die Leiterin von Minidecki, hat bereits kurz nach Bekanntwerden des Mangels an Mundschutz zusammen mit der Theaterschneiderei 500 Masken an den Regionalband des ASB übergeben. Nach Kontaktaufnahme mit der Behindertenhilfe des ASB wurden neue Bedarfe ermittelt. Der Interkulturelle Verein (IKV) und der Vietnamesische Verein unter diesem Dach haben Masken hergestellt. Ein Großteil an Stoffen und Material kommt aus dem Spendenaufkommen von Minidecki. So lässt sich hier eine übergreifende Hilfsaktion organisieren. Insgesamt 300 handgenähte Masken konnten an die Heimleiterin Doreen Wiesner übergeben werden. 125 davon steuerte der Vietnamesische Verein bei. Der Verein zählt etwa 300 Mitglieder aus Gera und Umgebung, ist vom Vorsitzenden Nguyen Chinh Duc zu erfahren. Mit Begeisterung und viel Herz seien zehn Frauen dabei, die Masken zu nähen. Es liegt im Wesen jedes Einzelnen, zu helfen. Wie schon 2013 im Zuge der Hochwasserkatastrophe in Gera, möchte auch diesmal der Verein den Menschen in Gera beistehen. Nguyen Huong ist gelernte Schneiderin und lebt seit 1987 in Gera, anfangs in der Textilherstellung beschäftigt, arbeitet sie jetzt als Verkäuferin in einem Textilgeschäft. Sie freue sich, die viele freie Zeit, wegen der Schließung des Ladens, sinnvoll nutzen zu können.
Die Geschäftleitung der ASB Behindertenhilfe ist dankbar über jede Spende. „Die Masken sind hauptsächlich für unsere Bewohner bestimmt und für die behinderten Menschen in unseren Heimen völlig ausreichend“, meint Christian Köcher. Während eine einfache medizinische Schutzmaske etwa 80 Prozent an Tröpfchen zurückhalte, schaffe eine handgenähte Maske immer noch bis zu 70 Prozent. Das sei auf jeden Fall besser, als gar keinen Schutz zu tragen, so der der Chef des Qualitätsmanagements. Auf die Frage, wie es um die Durchführung von Tests bestellt sei, erklärt Christian Köcher: „Zu Beginn der Isolation war es schwierig, Tests durchführen zu lassen. Derzeit hat das der Krisenstab in Gera gut im Griff. Mit einem mobilen Team, das in die Heime kommt, werden Abstriche vor Ort durchgeführt. Außerdem kommen Hygiene-Mitarbeiter in die Heime, geben Hinweise und führen Kontrollen durch, das finde ich sehr wichtig und vorteilhaft. Wir sind mit der Arbeit von Krisenstab in Gera sehr zufrieden.“  Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe man zwei Tests durchgeführt, die beide negativ waren. „Unsere Bewohner sind quasi seit dem 13. März isoliert und kommen nur noch mit den Mitarbeitern in Berührung“, so Köcher weiter. „Sobald Symptome, wie trockener Husten und Fieber bei Heimbewohnern auftreten, werden diese von den anderen Personen isoliert, bis die Testergebnisse vorliegen.“ Da es keine offene Zugänge mehr gibt, die Mitarbeiter extra Zugänge haben und verpflichtet sind, täglich Fieber zu messen, sich die Infektionsquellen sehr gering. Mitarbeiter, die leichte Symptome zeigen, bleiben zu Hause. „Aufgrund der Schließung unseres Kindergartens können wir dieses Personal für die Betreuung in den Heimen einsetzen, dadurch haben wir derzeit eine Personalreserve. Unser Ansinnen ist es die Infektion draußen zu lassen“, erklärt Christian Köcher. Für Fälle mit bestätigten Infektionen im Heim, stehen FFP-Masken bereit. Doch wie steht es um die Kontakte zu den Angehörigen?  Dazu Christian Köcher: „Die Schwerstbehinderten haben wenig Besuch, haben durch die geistige Behinderung sonst auch wenig Kontakt. Anders ist dies bei Menschen aus unserer Elementarfördereinrichtung. Die gehen außerhalb von Corona in Werkstätten arbeiten und bekommen viel Besuch. Gerade den Angehörigen oder Eltern fällt es schwer die Kontaktsperre zu akzeptieren. Häufig bekommen wir verzweifelte Anrufe. Im absoluten Einzelfall, zum Beispiel zu einer Sterbebegleitung, müssen wir abwägen. So etwas wäre dann nur unter Vollschutz möglich.“ 
Er hoffe, dass die Arbeit des Pflegepersonals nach der Krise mehr Anerkennung erhält. „Es sollten bundesweit regionale Unterschiede bei der Pflege abgebaut werden“, so Christian Köcher. Er wünsche sich bundeseinheitliche Entscheidungen in der Pflege. Das Geld sei für viele Mitarbeiter nicht das Ausschlaggebende, sondern die Überbelastung im Dienst und die andauernde Wochenendarbeit. Eins sei aber heute schon sichtbar, so Köcher, die Arbeit mit den Bewohnern in diesen außergewöhnlichen Zeiten bringe die Mitarbeiter mehr zueinander.

( Wolfgang Hesse, 24.04.2020 )

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